Wir erklären hier noch einmal worum es eigentlich geht:
Neben dem umfangreichen Grundbesitz der Kreisdomänen (rd. 2.200 ha) besitzt der Kreis Herzogtum Lauenburg rund 1.500 ha landwirtschaftliche Einzelpachtflächen, davon 1.300 ha Grünland und 186 ha Ackerland. Wir bewirtschaften die zweitkleinste Kreisdomäne Fredeburg mit 108 ha Nutzfläche. Darüber hinaus nutzen wir weitere Einzelpachtflächen des Kreises (28 ha). Nahezu alle Einzelpachtverträge des Kreises enden in 2027 und stehen zur Verlängerung an. Um die wirtschaftliche Grundlage der Domäne aufrechtzuerhalten, sind wir von diesen zusätzlichen Flächen abhängig, sie machen über ein Viertel unseres Betriebes aus. Leider hat unser Verpächter eine dieser umgestellten Ökoflächen in 2024, ohne uns einzubeziehen, durch Tausch an einen Hobby-Pferdehalter abgegeben (7 ha). Die durch den Tausch erworbene Ackerfläche in unmittelbarer Nähe möchte uns der Kreis als Ersatz jedoch nicht anbieten. Die Verantwortlichen aus Politik argumentieren, wir könnten uns im Rahmen der öffentlichen Ausschreibung bewerben. Seit Jahren ist der Kreis damit beschäftigt Vergabekriterien für die Verpachtung dieser landwirtschaftlich genutzten Einzelpachtflächen neu zu formulieren. Tatsächlich entsteht uns durch den Verlust der ökologisch aufgewerteten Fläche ein erheblicher finanzieller Schaden. Soviel zum Hintergrund.
Sitzung des Haupt- und Innenausschusses:
Die anwesenden Naturschutzverbände kritisierten in der vorangehenden Bürgerfragestunde die Beschlussvorlage scharf. Sie bemängelten, dass sich das Ziel 25 % vorrangig an Ökobetriebe verpachten zu wollen, lediglich auf die Einzelpachtflächen bezieht. Bei Ackerland also auf 186 ha, anstatt auf über 2.060 ha inclusive der umfangreichen Domänenflächen- ein „Kartenspielertrick“ der verantwortlichen Politik! Übrigens auch deshalb, weil in der Zielerreichung nicht zwischen Ackerland (mit seinen problematischen Stoffeinträgen in die Böden und Gewässer) und Grünland differenziert werde, das ohnehin bereits mit Naturschutzauflagen versehenen ist. Auf welchen Flächen soll am Ende tatsächlich eine ökologische Verbesserung erzielt werden? Selbst im günstigsten Fall würde der Kreis bei seinen Ackerflächen von 186 ha Einzelpacht lediglich auf zusätzliche 46 ha kommen. Das entspräche dann einem Ökoanteil von knapp 6 % seiner gesamten Ackerflächen, incl. der Domäne Fredeburg. Das entspricht noch nicht einmal einem Fünftel des Ziels der Bundesnachhaltigkeitsstrategie!
Der Verein Natur Plus bemängelte außerdem, dass der Kreis durch die Nichtverlängerung des Pachtvertrages mit der Domäne Fredeburg und der zu erwartenden Rückumstellung von Flächen eine ökologische Verschlechterung in Kauf nehme. Damit verstoße er gegen geltendes EU-Recht, konkret gegen die Verordnung 2024-1991, Artikel 11 (Wiederherstellung der Natur).
Die Pächterinnen und Pächter der Domäne Fredeburg erinnerten außerdem an die frühere mündliche Zusage des Verpächters, nach der ein Vertrag verlängert werde, sofern sich ein Pächter nichts habe zuschulden kommen lassen. Auf dieser Grundlage und der Gewissheit von Pachtsicherheit hatten sie die Flächen – auf eigene Kosten – auf Ökolandbau umgestellt.
Vor der Abstimmung hatte die FDP versucht mit einem Änderungsantrag die Kriterien nachzubessern mit folgendem Vorschlag:
1. Der Bestandsschutz für Flächen, die bereits auf Ökolandbau umgestellt sind, um Rück-umstellungen zu vermeiden - sofern sich ein geeigneter Pächter findet.
2.Die Honorierung praktizierter Berufsausbildung im Bonusverfahren.
Beide Punkte wurden leider auch mit Stimmen von B90/DIE GRÜNEN, die in Kooperation mit der CDU arbeiten, abgelehnt.
Anschließend wurde über den gemeinsamen Antrag von CDU und B90/DIE GRÜNEN zu den umstrittenen Vergabekriterien abgestimmt. Dieser wurde mehrheitlich beschlossen.
Hervorheben möchten wir einen Antrag der SPD-Fraktion. Dieser sah vor, die Ackerfläche „Schmaljohannskoppel“ dauerhaft in den Domänenpachtvertrag zu übernehmen, um den Standort der zweitkleinsten und einzigen Bio-Domäne zu stärken und die Flächenverluste auszugleichen. Diesen Antrag unterstützte auch eine Abgeordnete von B90/DIE GRÜNEN und wandte sich in einem bemerkenswerten Redebeitrag an die Abgeordneten. Dabei erinnerte sie ausführlich und beispielhaft an die Gemeinwohlleistungen der Domäne Fredeburg für die Region.
Auf uns wirkte es befremdlich, dass auch dieser Antrag mit Stimmen von B90/DIE GRÜNEN abgelehnt wurde - mit einem Pattergebnis.
Zustimmung fand abschließend ein Antrag der Kreisverwaltung: Eine mit einer Ausgleichs-verpflichtung belegte Magergrünlandfläche und 300 Bäumen („Baumpark“), sowie eine kleine Ackerfläche, sollen zukünftig in die Domänenpacht eingegliedert werden.
Eine Vorlage aus der Fachverwaltung des Kreises, die viele der geforderten Kriterien zur Ökologie sowie zum Gemeinwohl berücksichtigt und auf dem Kreistagsportal veröffentlicht war, fand in der Ausschusssitzung nicht einmal Erwähnung. Wie ist das zu verstehen? Für uns eine äußerts irritierende, ja ignorierende Vorgehensweise der Verantwortlichen.
Unser Fazit:
Die Ergebnisse der Abstimmung und ihre Folgen treffen uns hart: Sie beeinträchtigen die wirtschaftliche Stabilität der Kreisdomäne und stellen unsere Arbeit auf eine schwierige Basis. Besonders bedauerlich ist für uns, dass in diesem Prozess weder zentrale ökologische Werte noch Gemeinwohlleistungen hinreichende Berücksichtigung gefunden haben, auch nicht durch den Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen – gerade in einer Zeit, in der Herausforderungen wie Artensterben, Klimawandel und Umweltbelastungen konsequentes Handeln erfordern.
Die Erfahrungen mit dem intransparenten Flächentausch (wie es dazu kam, bleibt unerwähnt) sowie der stark parteipolitisch geprägte Prozess rund um die Vergabekriterien für Einzelpachtflächen haben unser Vertrauen in den Verpächter erheblich geschwächt. Für uns als Gründergeneration der Domäne Fredeburg GbR – nach über drei Jahrzehnten Aufbauarbeit und kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter – ist das sehr schmerzhaft.
Die Entscheidungsträger, die aktuell im Kreistag den Ton angeben, sind offensichtlich nicht interessiert an einer Ökologisierung ihrer Ländereien, an der von uns geleisteter Regionalentwicklung, an der Schaffung von über 40 Arbeitsplätzen, an der Ausbildung von rund 200 Fachkräften, an der Bildungsarbeit mit jährlich mehr als 1.000 Schulkindern des Kreises, sowie an den kulturellen Angeboten mit denen wir die Region bereichern. Quo Vadis Herzogtum Lauenburg?
Wie es weitergeht, beraten wir intern. Die junge Generation, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, wird ihre eigenen Schlüsse ziehen. Die endgültige Abstimmung erfolgt am 9. Oktober – ob wir noch etwas bewegen können, ist offen.
Euch allen danken wir von Herzen. Ohne eure Unterstützung könnten wir diese Entwicklungen kaum ertragen.
Herzlichst,
Eure Fredeburger Hofgemeinschaft