Wilhelm Busch Abend

Was eigentlich ein Klavierabend sein sollte, wurde kurzerhand zu einem Wilhelm Busch Abend im Freien. Albrecht Dammeyer, den wir als Pianist seit fast 30 Jahren kennen, ist wie wir am 1. Juni erleben durften, auch ein großer Kenner und Freund des humoristischen Dichter und Zeichner.

 

Mit Schalk, Dramatik und Bravour trug Albrecht Dammeyer in freier Rezitation so manche bekannte, aber auch unbekannte Geschichten vor, die uns die Doppelmoral des Speißbürgers genauso aufzeigten, wie die Frömmelei der Geistlichen. Ein bisschen landwirtschaftliches und gärtnerisches war auch dabei. Rundum ein gelungener, kurzweiliger Sommerabend. Danke Albrecht!

Für alle, die nicht dabei waren, hier noch eine treffende Kostprobe:

   

    Die Schnecken         von Wilhelm Busch

    Rötlich dämmert es im Westen,
    Und der laute Tag verklingt,
    Nur daß auf den höchsten Ästen
    Lieblich noch die Drossel singt.

    Jetzt in dichtbelaubten Hecken,
    Wo es still verborgen blieb,
    Rüstet sich das Volk der Schnecken
    Für den nächtlichen Betrieb.

    Tastend streckt sich ihr Gehörne.
    Schwach nur ist das Augenlicht.
    Dennoch schon aus weiter Ferne
    Wittern sie ihr Leibgericht.

    Schleimig, säumig, aber stete,
    Immer auf dem nächsten Pfad,
    Finden sie die Gartenbeete
    Mit dem schönsten Kopfsalat.

    Hier vereint zu ernsten Dingen,
    Bis zum Morgensonnenschein,
    Nagen sie geheim und dringen
    Tief ins grüne Herz hinein.

    Darum braucht die Köchin Jettchen
    Dieses Kraut nie ohne Arg.
    Sorgsam prüft sie jedes Blättchen,
    Ob sich nichts darin verbarg.

    Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken
    Ihres lieben gnädgen Herrn.
    Kopfsalat, vermischt mit Schnecken,
    Mag der alte Kerl nicht gern.