Gemüsebau – oder Anbau mit Hand und Herz

Möhren, Pastinake, Kürbis… Gemüse, Salat und Kräuter sind von Anfang an bei uns eine Herzensangelegenheit gewesen. Neben den gängigen Arten und Sorten gibt es bei uns auch manch besonderes Gemüse z.B. Zuckerhut oder roter Wirsing.

Unser Gemüse

Derzeit bauen wir jährlich 40 verschiedene Gemüse und Küchenkräuter auf ca. 5 ha an. Große Vielfalt war und ist uns dabei sehr wichtig, denn so ist der Anbau für uns lebendig und die Kunden im Hofladen genießen die Auswahl.

Und: Abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen bauen wir ausschließlich samenfeste Sorten und nicht die weit verbreiteten Hybridsorten an. Samenfeste Sorten erfordern mehr Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Zeit als Hybridsorten, aber sie sind häufig geschmacklich sehr viel besser und leichter bekömmlich.

Einer der Gründe für uns sie zu wählen.

Unser Saatgut – wir nehmen uns die Zeit

Saatgutvermehrung und -züchtung ist eine echte Besonderheit unseres Hofes. Arne von Schulz steckt seit Jahren seine ganze Energie in dieses wichtige Thema. Ist es doch Grundlage und Voraussetzung für unsere heutige und künftige Nahrung.

Früher nahm der Bauer einen Teil seiner Ernte für die neue Aussaat. Das machen wir tatsächlich auch heute noch. Dadurch erhalten wir über die natürliche Auslese optimal auf unseren Standort angepasste Sorten. Eine Auslese, wie sie seit Jahrhunderten in der Landwirtschaft perfekt funktioniert hat. Viele Betriebe scheuen leider diese aufwändige Form der Kultivierung. Wir haben uns jedoch entschlossen diesen Weg konsequent zu gehen.

Einen sehenswerten Film, der das Thema umfangreich beleuchtet und auch die Arbeit von Arne von Schulz zeigt, finden Sie unter:

Die Saatgut Retter  http://www.youtube.com/watch?v=Gz3oZOeY6FE


Wir gehören dem Initiativkreis für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem Anbau an, in dem sich ökologisch wirtschaftende Höfe zusammengeschlossen haben, um eine von Großkonzernen und Gentechnik unabhängige ökologische Saatzucht zu gewährleisten. Das Saatgut wird über die Firma Bingenheimer Saatgut AG vermarktet.

Wir selbst vermehren Wirsing, Rettich, Steckrüben, Kürbis, und Rübchen für den Saatguthandel. Und wir bauen zusätzlich zu unserem erntefrischen Gemüse auch verschiedene Gemüsesorten ausschließlich zur Saatgutvermehrung an.

Neben der Saatgutvermehrung beschäftigen wir uns mit der Entwicklung neuer, respektive dem Erhalt bewährter Gemüsesorten, der sogenannten „Züchtung on Farm“.

Unser Bekenntnis zur Saatgutzüchtung

Pflanzenzüchtung sehen wir neben der Saatgutvermehrung als weiteren wichtigen Baustein in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft an, um nicht gänzlich in die Abhängigkeit weniger, industrieller Agrarkonzerne zu gelangen. Aus unserem Verständnis heraus sind Sorten, also die unterschiedlichen Varianten einer bestimmten Pflanzenart, allgemeines Kulturgut und damit unser aller gemeinsames kulturelles Erbe. Sie sind zum allergrößten Teil durch die Arbeit vieler Generationen von Menschen aus einst vorgefundenen Wildsorten entstanden. Hier wollen wir ganz bewusst anknüpfen und weiterentwickeln.

Damit setzen wir auch ein Zeichen gegen die industriell erzeugten, oder sogar gentechnisch veränderten Pflanzensorten, die inzwischen zunehmend den Markt bestimmen.


Die heutige Pflanzenzucht wird von großen Saatgutkonzernen bestimmt und findet zu großen Teilen in Laboren statt. Hohe gleichmäßige Erträge, gutes Aussehen und industrielle Verarbeitbarkeit sind die Maßstäbe dieser Züchtung. Der Effekt: moderne Sorten verdrängen bewährte und lokal angepasste Sorten, alte Kultursorten sterben aus und werden durch Hybridsorten ersetzt.

Hybridsorten sind nicht erbstabil, und damit für einen eigenen Nachbau (Vermehrung) untauglich und unwirtschaftlich. Damit erzwingt die Agrarindustrie die Abhängigkeit der Landwirte und Gärtner von „ihrem“ Saatgut. Deshalb ist es für die ökologische Landwirtschaft so wichtig, samenfeste, erbstabile Kultursorten zu erhalten und weiterzuentwickeln. Und zwar nicht im Labor, sondern auf dem Acker mit realen, ganzen Pflanzen, der sog. ‚Züchtung on Farm‘

Die neu entwickelten Sorten werden dem gemeinnützigen Verein Kultursaat e.V. überantwortet, der sie beim Bundessortenamt einträgt und der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Das Saatgut dieser Sorten ist z.B. bei der Bingenheimer Saatgut AG erhältlich. Die Arbeit des Vereins wird mit Spendengeldern finanziert, die zum Großteil von Stiftungen, aus Fonds und privater Hand kommen.

Bis eine neue Sorte entsteht, vergehen oft Jahrzehnte geduldiger Selektion. Das ist mühsam, aber aus unserem Verständnis heraus genauso notwendig wie wertvoll.

Auf der Domäne züchten wir derzeit an Wirsing, Rosenkohl, Porree und Möhren. Ein erster Erfolg ist die neue Fredeburger Wirsingsorte „Smaragd‘‘!