Liebe Kunden, liebe Vereinsmitglieder und liebe Freunde unseres Hofes!

Wieder geht ein besonderes Jahr zu Ende, und wir möchten mit diesem Brief einen kleinen Einblick in unsere Arbeit und das was uns bewegt hat, geben. Nach einem noch sehr feuchten Jahresbeginn gab es ab April Sonne satt, und fast täglich einen strahlend blauen Himmel. Eine Wohltat für die licht- und wärmehungrige Seele, und gleichzeitig eine große Herausforderung für die Landwirtschaft. Haben wir im letzten Jahr noch über große Nässe geklagt, so hatten wir in diesem Jahr mit dem anderen Extrem zu tun. Wir haben es das Jahr der Hoffnung genannt: Hoffnung auf Regen, der immer wieder an uns vorbei zog. Sicher jammern die Bauern immer und gerne über das Wetter. Die Dimensionen, die die „neuen“ Wetterlagen mit sich bringen, sind aber tatsächlich so, dass die über viele Jahre gesammelten praktischen Erfahrungen in so einem Jahr nicht mehr weiter helfen. Wir sind aufgerufen, über neue Wege in der Landwirtschaft  nach zu denken und unser Handeln den neuen Verhältnissen anzupassen.

Vieles scheint aus dem gewohnten Gleichgewicht zu sein, wenn wir die gesamte Weltsituation, die Zustände in Europa und vor unserer eigenen Haustür betrachten. Wie geht es uns selber? Sind wir im inneren Gleichgewicht? In einem guten Austausch mit unseren Mitmenschen, der Natur und mit uns selbst?

Ein bekanntes Symbol für Harmonie und  Ausgewogenheit ist der Fünfstern (Pentagramm). Seine Abmessungen entsprechen dem Goldenen Schnitt. Diese Sternenform finden wir auch in der Natur, u.a. bei den Rosengewächsen wieder.

Die besondere Harmonie, die in den Pflanzen liegt und der Stern, der zum Vorschein kommt, wenn die Blütenblätter abgefallen sind, faszinieren uns immer wieder. Sie können uns als Symbol daran erinnern, dass ein gesundes Gleichgewicht immer wieder neu erarbeitet werden will, wenn ein harmonisches Ganzes entstehen soll.

In diesem Jahr umrahmen Rosenblütengewächse den Jahreskalender. In dem Weihnachtslied „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ wird die symbolische Bedeutung dieser Blume zum Weihnachtsereignis besungen. Auch der Kleine Prinz, in dem gleichnamigen Buch von Antoine de Saint-Exupéry, hat eine besondere Rose auf seinem Heimatstern. Indem er sich Zeit für sie nimmt, erfährt er, was ihr gut tut und lernt sie zu verstehen. Seine Rose beginnt ihm ans Herz zu wachsen. Später, auf der Erde, gibt der Fuchs dem Kleinen Prinzen den wichtigen Satz mit auf den Weg: „Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig. (…) Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich…“.

Auch wir fühlen uns verantwortlich für das, was uns anvertraut ist und was wir uns vertraut gemacht haben. Seien es die Tiere, die auch in einem trockenen Sommer ausreichend Futter benötigen, sei es der Boden, der im Frühjahr noch sehr nass, im Herbst aber nur noch schwer zu bearbeiten war, weil er durch die lange Trockenheit auf den tonigen Stellen hart wie Beton geworden ist oder auf den leichten, sandigen Stellen zerbröselte und wie Staub davon flog, wenn wir ihn bearbeiten wollten.

Er ist unser kostbarstes Gut. Wie gehen wir jetzt richtig mit ihm um? In der Hoffnung auf Regen und durchfeuchtete Böden entschieden wir uns für eine späte Herbstaussaat. Aber selbst heute, wo wir diese Zeilen schreiben (es ist inzwischen der 24. November) sind unsere Böden gerade einmal 10 cm tief durchfeuchtet. Darunter ist es immer noch staubtrocken. In „normalen“ Jahren wären die Böden jetzt mit Wasser mehr oder weniger gesättigt, der über-schüssige Regen würde versickern und die Grundwasserspeicher auffüllen. Bis dies so weit ist, benötigen wir an unserm Standort noch mindestens 300 Liter Regen pro Quadratmeter, ungefähr die Regenmenge eines halben Jahres. Müssen wir in Zukunft vielleicht andere Sorten und Kulturen anbauen?

Die Pflanzen sind uns ebenfalls ans Herz gewachsen. Ihnen beim Vertrocknen zuzusehen, war nicht leicht. Gemüse und Kartoffeln haben wir mit einem un-glaublichen Zeitaufwand und Wasserverbrauch so ausgiebig beregnet wie noch nie. Eine Maßnahme, die nur auf einer begrenzten Fläche sinnvoll und möglich ist. Die gute Gemüse- und Kartoffelernte haben es uns gelohnt. Getreide undGrünland wuchsen nur in den ersten Frühlingswochen gut, danach fehlte ihnen einfach der Regen. Einen einzigen Futterschnitt haben wir in diesem Jahr bekommen. Sonst sind es drei. So füttern wir schon seit dem Sommer Win-
terfutter und die Kühe kommen seit Wochen nur noch halbtags auf die Weide.


Not macht aber auch erfinderisch und mutig. Das Futter auf der anderen Seite der Bundesstraße wollten wir den Tieren nicht vorenthalten und die Weidesaison damit ein bisschen verlängern. Mit Hilfe der Fußgängerampel und ausreichend Begleitschutz, überquerten wir im Oktober und November zum ersten Mal mit ihnen die Bundesstraße. Es geht!

Es gibt vieles, was uns nach zwei extremen Jahren nachdenklich stimmt und neue Wege in der Landwirtschaft zu fordern scheint. Ein Feld, auf welchem wir eine große Herausforderung für die Zukunft sehen. So können wir z.B. noch gar nicht absehen, welche Auswirkungen die große Trockenheit auf den Boden, die Bodenorganismen und das Pflanzenwachstum im kommenden Jahr haben werden. Es bleibt spannend.

Und gleichzeitig gibt es so vieles in diesem Jahr, wofür wir dankbar sind. Die Sonne brachte eine besondere Leichtigkeit in den Alltag. Monate lang haben wir im Garten Mittag gegessen und an lauen Abenden erst spät den Weg ins Bett gefunden. Unglaubliche Sonnenuntergänge gab es zu bestau-nen. Die Obstbäume brachten eine reiche Ernte. Von zwei Demeter-Bauern konnten wir Futter für unsere Kühe zukaufen, so dass sie hoffentlich gut über den Winter kommen werden. Trotz knapper Futterrationen gaben sie tapfer genügend Milch für den Käsekessel. Auch die Getreidelager sind noch er-staunlich gut gefüllt. Die Hühner und Wachteln haben einen neuen, wunder-schönen Platz auf dem Hof bekommen und fühlen sich dort sichtlich wohl. Die vier Gästezimmer sind eingerichtet, und viele Gäste haben diese neue Mög-lichkeit, den Hof und seine schöne Umgebung zu erkunden, genutzt. Auch die neuen Wohnungen über dem Hofladen sind fertiggestellt und werden in-zwischen bewohnt. Damit können wir eine arbeitsintensive Bauphase abschließen und uns wieder kleineren Projekten und Verschönerungen widmen.

Die Kunden haben den neuen Hofladen mit Küche & Café sehr gut angenommen, freuen sich über das Angebot bei uns zu Frühstücken, ein leckeres Mittagessen einzunehmen oder Kaffee und Kuchen zu genießen.

Nach einer Durststrecke durch die drei Monate dauernde Baustelle auf der Bundesstraße sind nun alle wieder da. Viele haben auch während der Bauzeit den Umweg zu uns nicht gescheut. Herzlichen Dank dafür!

Verschiedene Schulklassen und Kindergruppen haben den Hof besucht und sich über das schöne Wetter gefreut, wenn sie auf dem Acker gepflanzt und geerntet haben.

Überhaupt gab es abwechslungsreiche Veranstaltungen. Nicht zuletzt das große Kartoffelfest mit dem treuen Helferteam im September und den ersten Flohmarkt, bei immer noch milden Temperaturen im November. Auch im neuen Jahr wird es wieder spannende Veranstaltungen geben. Viele sind schon im Jahreskalender zu finden!

Ganz besonders dankbar sind wir immer wieder für unsere unglaublich tollen Mitarbeiter und Auszubildenden. Es sind inzwischen so viele, dass eine ein-zelne Namensnennung den Rahmen dieses Briefes sprengen würde. Das Zu-sammenleben und –arbeiten macht viel Spaß und gibt Hoffnung und Energie für die zukünftigen Aufgaben, die wir gemeinsam in Angriff nehmen wollen und die wir mit der vielseitigen Hilfe der Menschen unseres Hofumkreises sicher auch schaffen können. Ein großes Dankeschön an jeden Einzelnen!

Neben der täglichen Arbeit möchten wir uns immer wieder an das erinnern, was für uns Menschen im wahrsten Sinne des Wortes eine notwendigen Auf-gabe ist: Mit wachem Geist, mitfühlendem Herzen und tatkräftigem und mu-tigem Handeln der Welt und ihren Herausforderungen zu begegnen. Wir hoffen, dass es uns immer wieder gelingt und uns ein weihnachtlicher Stern den richtigen Weg weist, damit unser Bemühen Blüten und Früchte tragen kann.

Wir wünschen allen eine friedvolle Weihnachtszeit und für das neue Jahr viele Herzensbegegnungen – Zeit für das, was uns anvertraut ist und Mut und Wachheit für neue Wege, die vor uns liegen.

 

Mit herzlichen Grüßen

Agnes und Florian Gleißner

Arne und Anne-Maria von Schulz

Susanne Trapp und Alfons Wiesler-Trapp

Julia und Lothar de Vries


Jedes Jahr geben wir mit unserem Weihnachstbrief einen kleinen Einblick in unsere Arbeit. Die Vorderseite des Briefes ist ein Jahreskalender, der in diesem Jahr von Rosengewächen umgeben ist.

Möchten Sie den Kalender gerne zugeschickt bekommen? Dann schreiben Sie uns eine email unter info(at)domaene-fredeburg.de


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